Segeltörn

1 11 2007


Stationen, die der Wind mitbestimmte

1. Tag

Nach einer gründlichen Sicherheitseinweisung durch den Skipper Ulli segelten wir von Puerto de Mogan mit insgesamt 7 Crewmitgliedern der Westküste von Gran Canaria entlang Richtung Teneriffa. Je weiter wir uns von der Insel entfernten, umso stürmischer wurde der Ozean. Amanda und ich waren die einzigen Teilnehmer auf der Jacht Nautilus, welche keine Segeltörnerfahrung hatten. Das starke Schaukeln des Schiffes übertrug sich bald einmal auf unsere Mägen. Zum Glück blieb uns das Kotzen über die Reling erspart!

Nach Mitternacht erreichten wir müde den Hafen von San Miguel auf Teneriffa.

2. Tag

Morgenessen wurde jeweils auf Deck eingenommen. Dabei waren die Crewmitglieder ausser Manfred mit Auftischen, Kaffeemachen, Abräumen und dem Abwasch beschäftigt. Gegessen wurden die Vorräte, welche wir in Mogan reichlich eingekauft hatten. Unser Segelziel war am 2.Tag Gomera. Der Teide auf Teneriffa, der höchste Berg von Spanien, zeigte sich an diesem Reisetag majestätisch aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir beiden Segelanfänger versuchten mit verkrampfter Konzentration, abwechslungsweise die Nautilus auf Kurs zu halten. Am Abend wurden wir in der Hafenstadt San Sebastian in einem gemütlichen Beizli mit kanarischen Gerichten belohnt.

3. Tag

Geplant war, auf der Westseite von Teneriffa den Hafen Puerto de la Cruz anzusteuern. Die Winde waren uns aber für diesen Schlag nicht gnädig. Unser neues Ziel war deshalb Las Palmas auf Gran Canaria. Das bedeutete aber auch, dass wir den ganzen Tag und die darauffolgende Nacht durchsegeln mussten. Mitten in der Siestazeit kamen sie plötzlich wie aus dem Nichts, ein grosser Schwarm Delphine und begleiteten unser Schiff mit verspieltem Vergnügen. Ulli der Skipper gab Befehle zum Stoppen und der jugendliche Philip sprang freudig über Bord. So schnell wie sie auftauchten, verliessen uns die sympatischen Meeressäuger leider wieder.

4. Tag

Der Schlag in Richtung Gran Canaria, war für uns alle eine Herausforderung. Die Nacht wurde auf drei 2-er Teams aufgeteilt. Philip und ich durften zwischen vier Uhr und acht Uhr morgens die Nautilus auf Kurs halten. Der Vollmond reflekierte sich auf der Wasseroberfläche sehr intensiv. Als ob jemand den Mondlichtschalter dimmen würde, wurde es plötzlich sehr schnell dunkel. Unser Mond war am Horizont untergegangen und zur gleichen Zeit begannen die Sterne, mit einer solchen Intensität zu strahlen, wie ich es bis jetzt nur in Wüstengebieten beobachten konnte. Wir beiden Steuermänner waren überwältigt von diesem Naturphänomen.

Am Nachmittag liefen wir neben mächtigen Containerschiffen im Hafen von Las Palmas ein.

5. Tag

Unser neues Tagesziel war Puerto de la Nieves bei Agaete an der Westküste von Gran Canaria. Die Winde spielten mit unseren Segeln. Einmal färbte sich der Ozean dunkelblau und die Wellen trugen Schaumkronen und wir segelten bis zu 9 Knoten; ein anderes Mal zeigte sich das Meer silbrigblau mit geringem Wellengang und die Jacht machte kaum noch 2 Knoten Fahrt und der Dieselmotor musste zugeschaltet werden, damit ein Vorwärtskommen mit 4 Knoten möglich wurde. In der Hafeneinfahrt mussten wir der heranbrausenden Schnellfähre aus Teneriffa den Vortritt gewähren. Nach einer stressigen Wende im kleinen Hafenbecken, wurde uns durch einen kooperativen Polizisten der noch einzig verbleibende Bootsplatz zugewiesen.

Der letzte Segeltörntag

In aufgeräumter Stimmung segelten wir zrück nach Puerto de Mogan. Ich denke, dass dieser Segeltörn in den Köpfen aller Crewmitglieder einiges bewegt hatte. Für mich wurden die gruppendynamischen Prozesse auf kleinem Raum und auf dem weiten Ozean zu einer durchlebten Realität. Segeln auf hoher See ist wohl die unbequemste Art und Weise, um von A nach B zu gelangen… und trotzdem kann Segeln (un)abhängig machen.

Am Schlussabend feierten wir in unserer “Casa” bei einer Paella und einem guten Tropfen unseren Abschied und frönten natürlich ausgiebig dem “Seglerlatein”.

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